Der Honiganzeiger: was für ein raffiniertes Vogerl!

Die Ordnung der Spechtvögel, so denkt man allgemein, ist in der Lage, mit spitzem Schnäblein Hartes zu knacken. Die Mehrzahl dieser beschwingten Freunde macht das ja auch deutlich hörbar. Nun gibt es 17 Vogelarten –überwiegend im Afrika südlich der Sahara daheim-, die man Honiganzeiger nennt. Wie auf dem Foto zu sehen ist, haben wir es nicht mit einem auffälligen Vogel zu tun. Aber er hat’s faustdick hinter den Federn.  

(Schmalschnabel-Honiganzeiger (Prodotiscus regulus). Foto: Alan Manson, 2007) 

Erst einmal ist er Brutparasit. Das kennen wir vom Kuckuck her. Der frisch geschlüpfte Honiganzeiger tötet alle übrigen Nestbewohner –andere Spechte, Bienenfresser, Baumhopfe, Glanzstare und auch Eisvögel- mit seinem hakenförmigen Eizahn und lässt sich rund vier Wochen lang in dem Höhlennest großziehen.

Den außergewöhnlichen Namen haben diese Vögel von ihrer Verhaltensweise: er zieht allein oder zu mehreren laut rufend umher, um Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Er profitiert von der menschlichen Neugier in geradezu unwiderstehlicher Weise. Sobald der Mensch ihm folgt, lockt er ihn zu einem Bienennest. Er spekuliert darauf, dass der Mensch den Bienenstock knackt, wozu er selbst nicht in der Lage ist, und es klappt eigentlich immer. Nachdem sich der Mensch des Honigs bemächtigt hat, frisst der Honiganzeiger die restlichen Insekten und die übrigen Waben. Er setzt dabei spezielle Enzyme ein, die Wachs in nahrhafte Fettsäuren aufzuspalten in der Lage sind. Mahlzeit!

Also: beim Spazierengehen immer das Honigtöpfchen mitnehmen!

Es knallt im Wald

Insekten haben alle Lebensbereiche erobert und sind allgegenwärtig. Die artenreichste Klasse der Tiere ist für das weltweite Ökosystem unentbehrlich, zumal sie nicht unerheblich der Ernährung anderer Tiere dient. Wer aber auf Laufkäfer steht, sollte sich seiner Sache schon ganz sicher sein, denn die Begegnung mit diesem Kameraden kann ganz schön schocken.

Der Kamerad nennt sich Bombardierkäfer. Das ist er:

 


Hydrochinon und Wasserstoffperoxid, Katalase und Peroxidase, so lauten die Zauberworte, die dem Feind im wahrsten Sinne des Wortes echt stinken, und knallen tut’s noch obendrein. Schließlich muss man sich ja verteidigen.

Was passiert? Fühlt sich der 5 bis 15 Millimeter lange Laufkäfer bedroht, werden Hydrochinon und Wasserstoffperoxid –was Haare bleicht, hilft auch dem Bombardierkäfer- in die körpereigene Explosionskammer gespritzt. Damit’s so richtig rund geht, kommen die beiden reaktionsbeschleunigenden Enzyme hinzu. Innerhalb von Millisekunden läuft jetzt eine heftige, chemische Reaktion ab. Es entsteht neben Wärme und hohem Druck ein übel riechendes Gasgemisch, das mit einem Knall aus dem Hinterleib des Käfers herausschießt. Dies geht mehrmals hintereinander und sogar um die Ecke.

In unseren Breiten kommen der Schwarze oder Alpen-Bombardierkäfer (Aptinus bombarda) sowie der Große und Kleine Bombardierkäfer (Brachinus crepitans bzw. Brachinus explodens (!)) vor.

Wie auch immer: hältst du ein Insektenmahl, achte auf die Käferwahl!

(c) Texte: Manfred M. Reuter